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URSULA
ERHART-SCHWERTMANN blickt
auf eine lange Solo- und Orchesterkarriere als Violoncellistin zurück,
die seit 2012 komponiert und seit einigen Jahren INÖK-Präsidentin ist.
ELISABETH AIGNER-MONARTH ist eine interpretatorisch starke Pianistin
mit mdw-Professur.
In beiden Musikerinnen stecken damit Facetten jener gefundenen und von ihnen interpretierten
Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, die sie in diesem Konzert präsentieren.
Allerdings sind Publikation und Aufführungspraxis für die beiden heute ungleich
leichter als für jene früher. Denn vor allem weibliche Komponistinnen waren in
der öffentlichen Musikpraxis unschicklich und wurden wenig ernst genommen. Sie
komponierten im Verborgenen als musikalisch hochbegabte Ehefrau und Mutter, als
Geliebte oder Begleitmusikerin. Und schafften sie es zu Lebzeiten doch in die
Öffentlichkeit, hatten sie es danach schwer, in die lebende Musikgeschichte übernommen
zu werden. Über die CD lost & found, erschienen bei Gramola,
gelangen nun über 15 Charakterstücke von solchen Komponistinnen ins gegenwärtige
Rampenlicht.
Am einfachsten war die Veröffentlichung für musikalisch schöpferische Frauen,
wenn sie - wie die skandinavisch-deutsche Pianistin und Komponistin INGEBORG
MARIA WILHELMINA BRONSART VON SCHELLENDORF (1840-1913) aus Russland als
Franz-Liszt-Schülerin - in den deutschen Adelsstand eines späteren Theater-Generaldirektors
einheirateten, denn dann wurde ihre Musik – hier live: Elegie für
Violoncello und Klavier C-Dur, op. 14 – im Rahmen von Hauskonzerten
aufgeführt, beziehungsweise im Falle von Schellendorfs Opern auch an großen
Häusern programmiert.
CLEMENCE DE GRANDVAL (1828-1907) entstammt selbst dem Adelsgeschlecht und hatte
Chopin und Saint-Saëns als Lehrer und bedeutende Fürsprecher. Sie feierte zwischen 1860 und
1892 vor allem mit ihren Opern und Operetten große Erfolge.
Engländerin ETHEL BARNS (1874-1948) schaffte den professionellen Bühnen-Einstieg
als Geigerin und Pianistin und heiratete kurz vor der Jahrhundertwende den
Bariton Charles Phillips. Sie gründeten zusammen in London eine 20 Jahre dauernde
Konzertserie, um Ethels Originalkompositionen aufzuführen. In diesem Rahmen
wird L'Escarpolette (Die Schaukel) für Violine und
Klavier A-Dur, Fassung für Violoncello und Klavier aufgeführt.
Engländerin ETHEL ROSALIE GLOVER, geborene HARRADEN (1857-1917), hatte eine
gute Position durch Herkunft und Ehemann, der eine Tageszeitung herausgab, wo sie
Kritiken verfasste. So schaffte sie es auch mit ihren Balladen und ihrer Bühnenmusik
zu lokalem bis überregionalem Ansehen. AIGNER-MONARTH und ERHART-SCHWERTMANN
werden ihr Werk Tristesse
(Traurigkeit), eine Romanze ohne Worte für
Violoncello und Klavier, zum Besten geben.
Häufige Rückschläge hatte Dänin HILDA SEHESTED (1858-1936) zu ertragen. Nach Studien
in Kopenhagen und Paris waren ab 1890 erste Kompositionen in romantischem Stil
entstanden. Dann starben ihre Mutter und ihr Verlobter, was sie zum Studium der
Orgel ohne Hoffnung auf eine feste Anstellung bewegte. Sie gründete als Vorstand
ab 1911 eine Kammermusik-Organisation, doch ihre Oper wurde vom Königlichen Theater
1914, angeblich wegen des Kriegs, abgelehnt, 1916 kamen dann endlich ein paar Erfolge,
wonach sie sich dem Impressionismus zuwandte.
Geradezu identitätsverweigernd war das Schicksal von Französin MÉLANIE HÉLÈNE
BONIS (1858-1937), die ihre 300 Kompositionen im Stil der Spätromantik bis zum
Impressionismus zumeist unter dem Namen MEL BONIS publizierte. So schaffte sie es
zum Druck durch namhafte Verlage.
Auf die gleiche Weise machte es die Amerikanerin AMY MARCY BEACH (1867-1944) –
ein Wunderkind mit absolutem Gehör und hauptsächlich autodidaktischer Ausbildung
–, die unter dem Pseudonym H. H. A. BEACH (den Initialen ihres 25 Jahre älteren
Ehemannes!) als erste amerikanische Frau eine Sinfonie komponierte. Sie wurde
später eine prominente Figur unter den Verfechtern der Frauenemanzipation, was
ihr mehrere Kompositionsaufträge für Weltausstellungen von1893 bis 1915
einbrachte. Nach dem Tod ihres Mannes 1910 ging sie mit eigenen Werken auf eine
dreijährige Tournee nach Europa. AMY BEACH war von 1925 bis 28 Vorsitzende
der „Association of American Women Composers”. Der Kompositionsstil ihrer 300
Werke wird zur Spätromantik mit folkloristischen Einflüssen gezählt.
lost & found - CD-Präsentation
Klavier:
ELISABETH
AIGNER-MONARTH
Violoncello: URSULA ERHART-SCHWERTMANN
Sa 26.9.2026, 19h
Roter Salon der Oesterreichischen Interpretengesellschaft (OESTIG LSG),
Wipplingerstraße 20 EG, 1010 Wien
Freie Spende
Reservierungen online
oder unter: rotersalon(at)oestig.at